Im "Don Bratwurst" kommt einem
wenig spanisch vor.
Bei der spanischen Kaufhauskette El Corte Inglés war "Deutsche Woche".
Auf einem Riesen-Plakat glänzten ein frisch gezapftes Bier und eine
Bratwurst, die es sich im Sauer- krautbett bequem gemacht hatte. "El sabor
de Alemania", also der Geschmack Deutschlands. Zubereitet von ausgeflogenen
Deutschen.
Micha aus Duisburg und Björn aus Mülheim haben die Zeichen der
Zeit erkannt. Als sich die Freunde im Frühjahr letzten Jahres zufällig
auf der Plaça Catalunya in Barcelona trafen, be- schäftigte beide
eine Frage: "Was kann man machen?"
Für Björn war klar, "aus Deutschland weg, das war mir wichtig."
Micha, genannt Sleepy, hatte sich mit Alina, seiner kubanischen Frau, schon
in einer WG in Barcelona eingemietet. "Am Abend hab ich mir ein Sixpack geschnappt
und bin rüber zu Micha. Auf dem Balkon war dann klar, es ging um Bratwurst
und Bier."
Dann ging alles ganz schnell. "Jetzt machen wir noch mal Rock ´n´
Roll", erklärte Björn, setzte den schwarzen Cowboyhut auf den kahlen
Kopf und machte sich auf nach Deutschland, um Geld zusammenzukratzen. Sleepy
blieb, der Rockabillyfan hing seine Tolle in den Wind und suchte mit dem
Fahrrad nach einer geeigneten Bar.
In der Nähe der Hauptattraktion Barcelonas, der Sagrada Familia, wurden
sie fündig. Eine typisch spanische Bar, ein schmaler Schlauch mit einer
langen Theke und an der Seite Platz für zwei Tische. Nicht gerade schön,
aber eigen. Der Name war auch schnell gefunden, "Don Bratwurst", buchstäblich
eine Schnapsidee und im Untertitel "der König der Bratwurst".
Gegen neun Uhr am Abend füllt sich die Bar. Zeit fürs Abendessen.
Hinten am Tresen, wo eine hölzerne Mönchsskulptur auf einen Schluck
für die Ewigkeit ansetzt, stehen spanische Teds.
Reiner, der Lastwagenfahrer ist da, einige Rockmusiker, ein spanischer Englischlehrer
und ein deutscher Deutschlehrer mit seiner brasilianischen Freundin. Ganz
vorne am Grill, wo ein intensiver Zwiebel- und Bratwurstduft aufsteigt, steht
Manolo und hält sich am Glas fest. Er ist ein schweigsamer Mann.
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Der VW-Ingenieur kommt fast jeden Abend
hierher.
"Was brauchst du?" - "Mach mir zwei halbe Liter Weizen, eine Krakowski komplett
und ne Thüringer." Björn bedient den Grill. Frankfurter, Thüringer,
Bratwurst und Krakauer stehen zur Auswahl, mit oder ohne Schinken, Käse
oder Zwiebeln. Dazu Senf, "echt Düsseldorfer scharf" und Ketchup.
Einen guten Wurstlieferanten zu finden, war nicht einfach. "Alles in Topqualität,
das ist uns wichtig", erklärt Björn, "wir wollen bisschen Deutschlandflair
rüberbringen. Im Moment ist alles noch provisorisch, aber alles locker
flockig und sehr sauber."
"Bier soll günstig bleiben", sagt der 31-jährige Mülheimer.
Krombacher, Franziskaner und Diebels Alt gibt es frisch vom Fass. Keine Frage,
es wird gut getrunken im "Don Bratwurst", doch wer einen Ballermann in Barcelona
erwartet, liegt falsch.
"Am Anfang haben wir auf Touristen gesetzt, wegen der Sagrada Familia. Dass
die Ein- heimischen jetzt so abfahren, haben wir nicht gedacht", sagt Björn.
Mit herkömmlichen Marketingstrategien lässt sich der Erfolg nicht
erklären. In den ersten Wochen war häufig ge- schlossen, die Kundschaft
wusste nicht recht, was los war. Auch das Dekor ist streitbar. Auf der Basis
einer spanischen Standbar sorgen Plastikblumen, eine Krom- bacher- Außenlaterne,
eine Glasbüste von Elvis, ein Totenkopf mit Sonnenbrille und Spielzeuglastwagen
für Atmosphäre.
Micha ruft schon mal einem Gast zu, er solle schneller trinken, sonst werde
das Bier warm. Vielleicht schiebt er auch sein verschwitztes T-Shirt hoch
und beklagt sich angesichts der schwabbelnden Fülle, dass das Bier zu
gut schmeckt und überhaupt, wie soll man in Spanien Selbstdisziplin
bewahren, wenn zu jeder Tageszeit Alkohol getrunken wird.
Marketing hin oder her, den Gästen scheint es gut zu gefallen. Vielleicht
liegt es an den Geschichten, an den seltsamen Wegen und Umwegen, die das
Leben der Inhaber und Gäste genommen hat, bis sie hierher kamen, um
sich eine Krakauer mit Zwiebeln und ein Bier zu bestellen. Sicherlich liegt
es auch an Micha und Björn. Micha, der Weltenbummler, nimmt ein leeres
Bierfass und setzt sich zu einigen Gästen nach draußen. Es ist
sein letzter Abend im Don Bratwurst. Jetzt wo der Laden läuft und langsam
Geld reinkommt, macht er sich wieder auf den Weg. Er hat keine Ruhe, will
mit Alina nach Deutschland, "mal sehen, was auf dem Imbisssektor so läuft".
Vorher war er in Kuba und davor hatte er einen Imbisswagen, den "Red Hot
Rockabilly Snack". Meistens stand er in Duisburg vor einem Supermarkt für
Zoobedarf.
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